Spaetsommer in Middelburg und Veere

Wenn die Tage im Spätsommer nicht mehr so heiß sind und der Herbst schon leise an die Tür klopft, dann ist die beste Zeit für einen Städtetrip. Solche Kurztrips fernab des Alltags laden die Akkus in Nullkommanix wieder auf! Wir haben uns für ein sonniges langes Wochenende im September die zeeländische Hauptstadt Middelburg und das malerische Städtchen Veere ausgesucht.

Hello Middelburg!

Am Freitag Nachmittag kommen wir in Middelburg an und checken ein in das wunderschöne Cityhotel WOOD, das erst im Sommer 2020 eröffnet hat. An der Binnengracht, wo vor 100 Jahren eine Schreinerei stand, ist jetzt ein Hotel entstanden, das großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Uns haben besonders die tolle Lage direkt am Rande der Innenstadt begeistert, sowie das "grüne" Konzept und das sehr nette Team. Immer ein Lächeln auf den Lippen und ein offenes Ohr für die Gäste.

Bummeln, Genießen, Entdecken

Wir bummeln durch die nahe Innenstadt von Middelburg und entdecken hübsche Gassen, kleine feine Lädchen und einladende Cafés und Restaurants. Auf der sonnigen Terrasse des St. John genießen wir das stadtbekannte Joghurteis, das in vielen verschiedenen Sorten angeboten wird. Unsere Wahl fällt an diesem sonnigen Nachmittag auf Feige und Eierlikör, beides köstlich!

So erfrischt geht es weiter zum Hafen, entlang der Grachten und Kanäle. Wir bewundern die hübschen Stadthäuser, entdecken den Kirchturm mit dem Spitznamen "Langer Jan" und das prächtige Rathaus mit seinen Türen und Fensterläden in rot-weiß-gelb, den Farben der Stadt Middelburg. Middelburg ist eine entspannte Hauptstadt und hat die perfekte Größe, um bequem zu Fuß entdeckt zu werden. Für den nächsten Morgen ist eine Stadtführung geplant. Wir freuen uns schon sehr darauf, mehr über diese schöne Stadt zu erfahren!

4-Gänge-Frühstück und eine Stadtführung mit Herz

Hattet Ihr schon einmal ein 4-Gänge-Menü zum Frühstück? Wir auch nicht, aber wir könnten uns direkt daran gewöhnen! Die wichtigen Fragen im Restaurant "The Green Room" im WOOD Hotel lauten morgens: „Bananen-Pancakes mit Erdbeeren, Sauerteigbrot mit Hummus und Grillgemüse oder doch lieber eine Smoothie-Bowl mit Granola?“

So gestärkt starten wir zu einer persönlichen Stadtführung: Nelly ist die netteste Stadtführerin, die wir uns wünschen können. Mit viel Charme und Wissen zeigt sie uns viel Schönes, Skurriles, Spannendes und Persönliches in ihrem Middelburg.

Am Samstag Morgen ist es noch ruhig in der Stadt und es macht Spaß, Middelburg beim Erwachen zu erleben. Wir entdecken stille Viertel mit prächtigen Häusern und erfahren, warum viele der alten Stadthäuser Namen haben. Hättet Ihr es gewusst? Früher gab es in den Dörfern und Städten keine Straßennamen und so hat man sich an den Namen der Häuser orientiert.

Immer wieder entdeckt man den Namen "Roosevelt" in Middelburg. Kein Zufall! Die Eltern des ehemaligen amerikanischen Präsidenten waren echte Middelburger und sind aus Zeeland in die USA ausgewandert, wie so viele andere Niederländer im 19. Jahrhundert.

Ahoi! Wir machen eine Bootsfahrt!

Wir wechseln die Perspektive und schauen uns Middelburg vom Wasser aus an. Ganz in der Nähe unseres Hotels liegt die Ablegestelle der Rondvaart Middelburg. Und gleich nach dem Ablegen heißt es für alle: Kopf runter! Die Brücken von Middelburg sind niedrig. Der Kapitän gibt zum Glück immer rechtzeitig das Kommando zum Ducken.

Den Rest der Fahrt können wir entspannt genießen und stellen fest: Auch vom Wasser aus ist Middelburg traumhaft schön! Auf Augenhöhe mit Enten, Möwen und Hausbooten gönnen wir den Füßen eine Pause. Nur die Kamera klickt und klickt und klickt. Die Motive am Wasser entlang sind einfach zu hübsch! Wer sportlich ist, kann sich auch Stand-Up-Paddle-Boards oder Kanus mieten und Middelburgs Wasserstraßen im eigenen Tempo erkunden.

Seeluft macht hungrig

Beim Anlegen fällt uns das Café HoneyPie auf, das direkt nebenan liegt. Flinke Bedienungen tragen Etageren und Teller mit allerlei süßen und herzhaften Köstlichkeiten auf die Sonnenterrasse auf dem fest vertauten Kahn. Wir gehen also VON Board der Rundfahrt AN Board des Cafés Honeypie und genießen leckere vegetarische "Brootjes" und Salat. Eet Smakelijk heißt Guten Appetit!

Zeelands Geschichte im Zeeuws Museum

Bei der Stadtführung am Morgen hat uns Nelly den Besuch des Zeeuws Museum ans Herz gelegt. Das Zeeland-Museum ist in einem Kloster aus dem 12. Jahrhundert untergebracht, das an sich schon ein Kunstwerk ist. 

Drinnen staunen wir über archäologische Funde, RIESIGE Wandteppiche, die die Geschichte von Zeeland abbilden, zeeländische Trachten und vieles mehr. Ein Muss für Zeeland-Fans! Als DIY-Fan haben mich besonders die großen Wandbilder aus Muscheln sehr begeistert.

Aktuell ist der Besuch des Museums nur mit vorheriger Reservierung möglich. Trotz aktuell reduzierter Ausstellungsfläche und "Corona-Route" lohnt sich ein Besuch. Im Museums-Shop habe ich mir noch eine Backform in Form des "Zeeuwse Knop" gegönnt, die ich schon so lange anschmachte! Der Knopf ist ein Teil der zeeländischen Tracht und inzwischen zum Symbol für Zeeland geworden. Man sieht ihn häufig als Fenster, als Schmuck, aber auch als Süßigkeit. Ich habe ihn Zuhause als Fahrradklingel ;-)

Das ist ein Restaurant?

Das war meine erste Reaktion, als ich das "Kloveniersdoelen" gesehen habe. An dem auffälligen Gebäude waren wir schon mehrfach vorbeigelaufen, hatten es aber eher für ein Museum oder ein öffentliches Amt gehalten. Dabei beherbergt das ehemalige Militärkrankenhaus heute nicht nur ein tolles Restaurant mit hübschem Außenbereich auf der Rückseite, sondern auch ein Kino! Hatte ich erwähnt, dass das Restaurant nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt liegt? Ich mag diese kleine, großartige Stadt. Alles ist so schön übersichtlich und die Entfernungen so angenehm kurz.

Sonntag: Mit dem Rad nach Veere

Wer sich so richtig niederländisch fühlen möchte, der steigt auf's Rad! Wer sich dabei sofort als Tourist outen möchte, der trägt einen Fahrradhelm. Das tut nämlich hier keiner. Wir schon, denn wir haben E-Bikes für den Tag gemietet und sind damit ordentlich flott unterwegs. Es geht ins nahe Veere, einem malerisches Örtchen am Veerse Meer. Dank des übersichtlichen Knotenpunktsystems und der tollen Räder sind wir in weniger als einer Stunde am Ziel.

Fast zu schnell, denn das "Fietsen" macht Spaß! Wir steuern das Restaurant mit der wohl schönsten Aussicht in Veere an und ergattern einen Platz auf der Außenterrasse des "De Werf" mit Blick auf den Hafen. So schön, dass man gar nicht mehr aufstehen möchte! 

Doch Veere hat so viel mehr zu bieten: bezaubernde Häuschen in blühenden Gärten, stille Gässchen, einzigartige Lädchen und die große Kirche, deren gigantische Silhouette man schon aus der Ferne sieht. Die Grote Kerk wollen wir uns auch ansehen. Viel zu groß wirkt das riesige Bauwerk in diesem kleinen Ort. Heute ist die Kirche ein Kulturzentrum und zeigt ihre 500-jährige Geschichte modern, außergewöhnlich, vielseitig und sehr spannend aufbereitet.

Die mumifizierte eingemauerte Katze wollte ich mir nicht anschauen. Wohl aber den Ausblick von der Kirchturmspitze. Der Aufstieg nach oben ist nicht ohne, aber auf einem Zwischenstockwerk wartet eine farbenfrohe Überraschung: Zahlreiche Bilder, die im Künstlerort Veere entstanden sind, werden dort in einer atemberaubenden Kaleidoskop-Projektion gezeigt. Und dann - im wahrsten Sinne des Wortes - der Höhepunkt: Diese Aussicht! Rote Dächer, grüne Natur und die Gewässer von Zeeland, bis zum Horizont und weiter. 

Middelburg & Veere, Ihr habt uns an diesem Wochenende verzaubert und wir kommen gerne wieder. Und wieder. Und wieder!