Die Schlacht um die Schelde

Geschrieben von: Unterfreundenblog

Typisch für Zeeland sind nicht nur die endlosen Strände und die wunderschöne Natur, sondern auch seine einzigartige Geschichte. Vielleicht habt Ihr schon von der Schlacht um die Schelde gehört? Sie wird auch Die vergessene Schlacht" genannt, obwohl sie eine Schlüsselrolle spielte bei der Befreiung der Niederlande und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs.

ein Stück Zeeland Geschichte

Im Zweiten Weltkrieg waren die Niederlande von deutschen Besatzungstruppen besetzt, die unzählige Bunker, Radargeräte und Abwehrgeschütze auf den Deich und in die Dünen von Walcheren gebaut hatten. Diese Küstenverteidigung war Teil des Atlantikwalls, der sich mit etwa 8.000 Bunkern auf einer Länge von über 5.000 Kilometern vom Nordkap bis zur spanischen Grenze erstreckte.Die alliierten Truppen hatten den einigermaßen unbeschädigten Hafen von Antwerpen in Besitz genommen, der für die Versorgung der Truppen von großer Bedeutung war, aber die Schelde und damit der Zugang zum Hafen war immer noch in deutscher Hand. 

Am 3. Oktober 1944 wurde der Deich von Westkapelle durch die Royal Air Force bombardiert, in der Hoffnung, dadurch die Deutschen aus Walcheren vertreiben und die Fahrrinne für die Schifffahrt nach Antwerpen frei machen zu können.

Weitere Deiche auf Walcheren waren das Ziel der Bombardierungen, um die Überschwemmungen zu beschleunigen und große Teile Zeelands zu überfluten.

Am 1. November 44 landeten die alliierten Streitkräfte im Deichloch und es gelang, Walcheren zu erobern und zu befreien.

Über 10.000 Menschen verloren während der erbitterten Kämpfe ihr Leben und das Dorf Westkapelle war zu großen Teilen zerstört. 

An die Kriegshandlungen von damals erinnern heute einLandungspanzer der Alliierten, der heute als Denkmal auf dem Deich oberhalb des Polderhuis-Museums in Westkapelle steht, sowie einige noch bestehende Bunker, die besichtigt werden können.

Gänsehaut-Momente im Polderhuis-Museum Westkapelle

Auch im Polderhuis-Museum im Zentrum von Westkapelle wird Geschichte lebendig! Ein Ort für Gänsehaut-Momente. Der Besuch dort hat mich sehr berührt. Man spürt, wie sehr die Menschen hier mit ihrem Dorf verbunden sind.

In der Dauerausstellung erfährt man viel über die Geschichte von Westkapelle und seinen Einwohnern. Anhand von Fotos, Originalobjekten und interaktiven Medien taucht man tief ein ins Dorfleben und in die Traditionen und Bräuche der Dorfgemeinschaft. Unser Führer war der Enkel dieses Mannes, der hier als Wachsfigur ausgestellt ist.

Auch für die Überlebenden der Schlacht um die Schelde im 2. Weltkrieg und deren Familien ist das Museum ein wichtiger Ort zum Gedenken und Erinnern. Ein großer Teil der Ausstellung ist der vergessenen Schlacht gewidmet. Man erfährt viel über die Bombardierung der Deiche in Walcheren im Jahre 1944, die darauffolgende Überschwemmung großer Teile von Zeeland und schließlich über die Befreiung und den Wiederaufbau. Auch hier kommen an interaktiven Stationen Zeitzeugen zu Wort und erzählen ihre dramatischen Geschichten. Das Grauen des Krieges bekommt hier Stimmen, Namen und Gesichter.

Im Museumscafé mit Blick auf den (damals zerstörten) Deich oder am nahen Meer kann man die Eindrücke noch ein bisschen wirken lassen. Wie dankbar können wir sein, heute in Frieden und Freiheit zu leben und diese wunderschöne Gegend zum Entspannen und Genießen besuchen zu dürfen.

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Hoch hinaus! Auf dem Leuchtturm in Westkapelle

Zum Polderhuis-Museum gehören auch die beiden Leuchttürme von Westkapelle. Direkt am Meer vor dem Deich findet Ihr den „‘t laage Licht“ mit seinen fröhlichen rot-weißen Streifen. Er heißt wegen seiner überschaubaren Höhe von 19 Metern „Der Niedrige“.

Wir dürfen an diesem Tag aber ganz hoch hinaus – bis ganz nach oben auf den großen Bruder. Ein bisschen Kondition sollte man mitbringen, um die vielen Stufen zu erklimmen. Schließlich heißt der zweite, deutlich größere Leuchtturm von Westkapelle ‘t Hoge Licht, also Hohes Licht.

Die kleine Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall. Der 360 Grad Blick von oben ist einfach atemberaubend schön! 

Ein paar Zahlen:  „‘t Hoge Licht ist mehr als 500 Jahre alt, 53 Meter hoch, 218 Stufen führen bis zur Aussichtsplattform auf 40 Metern Höhe. Der Leuchtturm von Westkapelle ist weithin sichtbar und gilt als Wahrzeichen des Dorfes.

1432 wurde der Turm ursprünglich als Kirchturm der Sankt Willibrord Kirche gebaut. Deshalb auch sein ungewöhnlicher Standort einen Kilometer landeinwärts mitten im Ort.

1817 bekam die Gemeinde die Aufgabe, den hohen Turm als Leuchtturm zu nutzen. Das Leuchtfeuer bestand damals aus 15 Öllampen, die verheerenderweise dazu führten, dass die Kirche 1831 völlig ausbrannte. Der Turm selbst blieb jedoch erhalten und konnte sein Leuchtfeuer schon drei Tage später wieder entzünden.

1907 wurde der charakteristische rote Eisenaufbau errichtet und mit ihm eines der mächtigsten Leuchtfeuer von Westeuropa.

Nach den Kriegsjahren, in denen die deutschen Besatzer den Leuchtturm als Beobachtungspunkt nutzten, wurde der Turm mit einem neuen Rotationsfeuer ausgestattet, das bis heute in Funktion ist.

Auf den Zwischenstockwerken kann man auf dem Weg nach oben nicht nur verschnaufen, sondern bekommt auch einen Einblick in das einsame Leben der Leuchtturmwärter.

Wir hatten die Ehre, ausnahmsweise bis ins Allerheiligste des Leuchtturmes steigen zu dürfen - dem Leuchtfeuer. Ein tolles und unvergessliches Erlebnis, wahrlich ein Highlight!

Weltberühmt wurde der Leuchtturm auch durch den Maler Piet Mondriaan, der den „Vurtooren bij Westkapelle“ mehrfach gemalt hat.

Wer in Westkapelle ist, dem sei ein Besuch des Polderhuis-Museums und die Besteigung des oder der beiden Leuchttürme sehr ans Herz gelegt. Das sind unvergessliche Zeeland-Momente!

Der Film Schlacht um die Schelde" – ab 15.10.2021 auf Netflix Deutschland

Wenn Ihr mehr über die Schlacht an der Schelde erfahren möchtet - ab 15.10.2021 läuft der Film im deutschen Netflix. Hier gibt es vorab schon den offiziellen Trailer zu sehen.

Die Story des Films: November 1944. Auf der überfluteten Insel Walcheren in Zeeland kämpfen Tausende von alliierten Soldaten gegen die deutsche Armee. Drei junge Leben werden untrennbar miteinander verbunden: Ein niederländischer Junge, der für die Deutschen kämpft, ein englischer Pilot und ein Mädchen aus Zeeland, das sich gegen ihren Willen dem Widerstand anschließt. Alle drei sind gezwungen, weitreichende Entscheidungen zu treffen, die sowohl ihre eigene Freiheit als auch die Freiheit der anderen betreffen.

Der Film sollte das Gedenkjahr 2020 abschließen, in dem sich das Ende des Krieges zum 75. Mal jährte. Aufgrund der Corona-Maßnahmen wurde der Filmstart in den Juni 2021 verschoben.

De Slag om de Schelde ist die erste niederländische Produktion für Netflix und mit einem Budget von 14 Mio. Euro der teuerste niederländische Film der letzten 10 Jahre.

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Die Bunker von Walcheren

Das Bunkergebiet an der Küste von Walcheren spielte bei der Schlacht um die Schelde eine bedeutende Rolle bei der Befreiung der Niederlande im November 1944.

Ein Besuch im Bunkermuseum in den Dünen von Zoutelande ist eine unglaublich beeindruckende Kombination aus Geschichte und Kultur in der wunderschönen Natur.

Das Museum ist ein kleiner Ort mit großer Geschichte. Den Mannschaftsbunker unten und einen Beobachtungsbunker, der sich oben auf der Düne befindet, kann man besichtigen. Steht man auf dem Dach des Beobachtungsbunkers, kann man gut verstehen, warum diese Gegend zur Überwachung ausgewählt wurde. Der Rundumblick in die Ferne ist überwältigend. Damals aus strategischen Gründen wichtig, heute einfach nur zum Genießen.

Es gibt noch etwa 80 Bunker, die verstreut sind über die Halbinsel. Bei Bauarbeiten im September 2021 wurde am Boulevard in Vlissingen ein vergessener Bunker gefunden und abgerissen.

Vergessene Bunker, die in Zukunft entdeckt werden, sollen als Teil der Geschichte Zeelands unter Denkmalschutz gestellt und nicht zerstört werden.

Heute kann man auf den Spuren des Krieges wandern oder radfahren. Die ca. 67 km lange Bunkerroute führt entlang der Reste der Bunker von Walcheren und an den beiden Bunkermuseen in Vlissingen und Zoutelande vorbei.

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